Hier bin ich Huhn, hier darf ich’s sein

Die mobilen Hühnerställe von Dirk und Sonja Tensfeldt

 

Der Milchwagen fährt gerade mit der schon frisch gemolkenen Milch vom Hof. Es ist halb acht. Bauer Dirk Tensfeld geht über die große Wiese auf das rotbraune Hühnermobil zu. Emsiges Gegurre und dazwischen ein Hahn. Das Leben im Hühnermobil hat schon begonnen, auch wenn die Tür noch verschlossen ist. Als Dirk Tensfeldt sie öffnet, lassen sich die Hühner nicht lange bitten. Raus in die Sonne und erstmal ein Schluck kühles Wasser aus der Plastikwanne. Der Hahn reckt sich groß heraus und schreitet seine Herde ab. Er sticht nicht nur durch Größe, sondern auch durch die grauweiße Farbe im sonst rotbraunen Hühnerschar hervor. Auf der großen Wiese finden die Hühner bald ihre Plätze zum picken und scharren. Es kommt Ruhe in die Schar. Dirk Tensfeldt geht auf die Rückseite des ehemaligen Bauwagens. Hier hat er eine Art Balkon mit Deckel angebaut. Er öffnet den Deckel. Da sitzen mehrere Hennen, die gerade ihr Ei ins Stroh legen. Einige, teils noch nasse Eier, liegen schon in den Strohnestern. Hühner haben es beim Legen gern dunkel, und so macht Bauer Tensfeldt den Deckel schnell wieder zu.

HERR TENSFELDT, BRAUCHT EINEHÜHNERHERDE EIGENTLICH EINEN HAHN?

 

Der Hahn ist der Aufpasser. Er beschützt die Herde. Wenn ein Huhn durch den Zaun auf die Straße springt, wird er unruhig. Das mag er nicht. Der Hahn schafft Zusammenhalt in der Herde. Er ist auch derjenige, der Zeter und Mordio schreit, wenn sich ein Habicht blicken lässt. Er zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Das gibt den Hühnern Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.

 

KANN EIN HABICHT SO GROßEN VÖGELN DENN ÜBERHAUPT GEFÄHRLICH WERDEN?

 

Oh ja! Wir haben hier im Frühling hundert Hühner eingestallt. Jetzt sind es noch etwa neunzig. Zehn haben sich Habicht und Fuchs geholt. Deshalb brauchen die Hühner nachts einen sicheren Stall. Wenn ein Fuchs es schafft, dort einzudringen, kann es zu erheblichen Verlusten kommen. Aber Fuchs und Habicht machen auch tagsüber Beute.

 

WIE GEHEN SIE DAMIT UM?

 

Wir hängen hin und wieder getragene Wäschestücke über die Wiese verstreut auf. Der Geruch hält Füchse fern. Gegen Habichte sollen Ziegen helfen. Die verscheuchen Greifvögel. Bei unseren Masthähnchen haben wir eine ganz besondere Methode. Wir stellen außerhalb des Stalls ein Radio auf. Tag und Nacht läuft NDR 2. Seitdem haben die Tiere Ruhe, zumindest vor Fuchs und Marder.

 

KENNEN SICH DIE HÜHNER UNTEREINANDER?

 

Sie haben eine feste Rangordnung. Ich kann die zehn fehlenden Hühner nicht einfach durch neue ersetzen. Die Herde würde sie nicht akzeptieren. Da entstünde solche Unruhe, dass die Legeleistung darunter leiden würde.

 

UND LEGT JEDES HUHN JEDEN TAG EIN EI?

 

Sie machen auch mal eine Pause. Wir lassen unsere Hühner aber mehrere Jahre alt werden. Im ersten Jahr legt eine Henne bei uns im Durchschnitt 300 Eier. Im zweiten Jahr sinkt die Legeleistung nach der Mauser, die Eier sind dann etwas größer aber auch dünnschaliger und blasser. In dieser Phase wird sortiert, wer als Suppenhuhn ausscheidet oder weiter legt. Durch ertasten des Schambeinknochens (Legebein) kann man Nichtleger aussortieren. Jetzt können wir die Herden zusammenführen. So werden dann aus zwei Ställen wieder einer und es können neue Junghennen aufgestallt werden.

 

SIND DIE HÜHNER ALLE VON EINER RASSE?

 

Die meisten sind Lohmanns Braune. Das ist eine sehr gängige Hybridrasse. Die Eier sind hellbraun. Das mögen unsere Kunden. Nur zu Ostern wollen sie gern weiße Eier. Deshalb haben wir in den anderen beiden Hühnermobilen auch andere Rassen. Ein paar Grünleger sind auch dabei. Für die Abwechslung.

 

WER KAUFT DIE EIER?

 

Die Eier werden von Kunden gekauft, die auf die Haltungsweise achten. Sie können die Hühner, die in kleinen Gruppen gehalten werden, auf der grünen Wiese sehen, . Außerdem ist unser ” Eierladen” rund um die Uhr geöffnet. Die Eier sind immer frisch. Manchmal sind sie sogar noch nestwarm.

 

GROßE WIESEN, HÜHNERMOBILE MIT WENIG HÜHNERN – ES SIEHT ALLES SO GEMÜTLICH AUS

Wir haben uns schon mal ein modernes Hühnermobil angesehen, wo 200 bis 300 Hühner reinpassen. Auch da können die Hühner jederzeit raus, und sie gehen freiwillig wieder rein. Anscheinend fühlen sie sich damit wohl. Für uns hat sich aber die Herdengröße mit 100 Hennen und Hahn bewährt.
Unsere Bauwagen habe ich so konstruiert, dass sie keine Lüftung brauchen. Der Boden besteht aus Latten mit kleinem Abstand dazwischen. Die Luft zirkuliert, ein Teil des Kots fällt heraus und düngt die Wiese, der Wagen ist immer frostfrei. Er wird im Wochenrhytmus versetzt. Die Hühner haben Stroh, in das sie ihre Eier legen können. Es ist alles selbstgebaut und funktioniert gut.
In naher Zukunft wollen wir auf die Wiese eine Bank stellen. Da können Radfahrer dann eine Pause machen und picknicken. Für Familien mit Kindern wird das schön. Wahrscheinlich müssen wir aber ein Schild aufstellen, sonst traut sich keiner.